Let's talk about feminism with Kristina Lunz

Kristina ist Mitbegründerin und co-CEO des Centre for Feminist Foreign Policy, wurde auf die Forbes 30 under 30-Liste gesetzt und ist für uns eine Powerfrau, wie sie im Buche steht. Erfahre mehr über Kristina, ihre Ansichten und Ziele in diesem Interview. 

Wie entstand die Idee zur Gründung des „Centre for Feminist Foreign Policy“?  

Ich habe das Zentrum für feministische Außenpolitik mit 2 anderen Mitbegründerinnen gegründet. Ganz am Anfang waren es Marissa Conway und ich, etwas später kam auch Nina Bernarding dazu. Marissa ist Amerikanerin, kam für ihr Studium nach London und ist dort auf das Thema der feministischen Außenpolitik aufmerksam geworden. Ich hatte zur selben Zeit für die Vereinten Nationen in New York gearbeitet und mich mit den Themen Extremismus, Feminismus und Gender beschäftigt. Etwas später hatte Marissa bereits eine Webseite und einen Twitter-Account zu dem Thema aufgesetzt. Ich hatte just zur selben Zeit den ersten Artikel zur feministischen Außenpolitik in Deutschland veröffentlicht, woraufhin wir einander vorgestellt wurden. Das war einer dieser Momente, wo du jemanden kennenlernst und weißt: „Krass, wir sind 100 Prozent aligned. Wir wollen genau dasselbe und wollen das auch in derselben Art und Weise erreichen.“ So kamen wir zusammen. Seitdem arbeitet Marissa in London für das Zentrum für feministische Außenpolitik und ich in Berlin. Nina Bernarding kam dann noch als die dritte Mitbegründerin dazu.  

Kristina Lunz
Foto: © F. Castro

Was würdest Du Frauen sagen, die überlegen zu gründen aber denen der Mut fehlt?  

Sie sollen sich wirklich Inspiration holen und den Gründerinnen, von denen es sehr inspirierende Persönlichkeiten gibt, auf Social Media folgen, deren Podcast hören und deren Geschichten anhören, um dann festzustellen, dass bei allen die Unsicherheit dabei ist. Vor allem natürlich finanzielle Unsicherheit. Auch die Sorge, dass es nicht klappen könnte, ist immer dabei. Außerdem war es wirklich bei allen das kalte Wasser, in das sie springen mussten, aber sie sind trotzdem gesprungen. Man wird auch feststellen, dass diese Sorgen und diese Ängste eher nichts individuelles, sondern eher etwas kollektives sind. Also sucht aktiv nach Inspiration und Vorbilder.   

 Beende den Satz: Eine Feministin ist für mich …?  

…jemand, die den toxischen, den ungerechten und den zerstörerischen Status Quo unserer Gesellschaft nicht akzeptiert. Sie setzt sich aktiv dafür ein, dass wir alle in einer Gesellschaft leben können, in der jede einzelne Person - gegeben ihrer Potenziale, Wünsche und Bedürfnisse - die Möglichkeit hat, sich maximal zu entfalten und eben nicht weiter Unterdrückungs- und Diskriminierungssysteme existieren. 

Hast Du als Frau im Beruf Hürden erlebt, die Männer ggfs. nicht erleben müssen?  

Die erleben wir leider alle. Ob sie jemand wahrnimmt oder nicht, das ist eine andere Sache. Die Fakten sprechen für sich. Wir Frauen bekommen weniger Zugänge in die Führungspositionen, wir verdienen für dieselbe Arbeit weniger Gelder, wir werden in Meetings öfter unterbrochen und wir werden nicht so ernst genommen. Forschungen dazu zeigen, je erfolgreicher ein Mann ist, desto beliebter ist er. Je erfolgreicher eine Frau ist, umso weniger beliebt ist sie. Jede einzelne Frau erlebt die Diskriminierung und die Unterdrückung in der gesamten Gesellschaft und auch im beruflichen Alltag. Es ist also keine Frage, ob ich sie erlebt habe, sondern ob ich mir darüber Gedanken mache. Die Zahlen sind ganz eindeutig. Wie kann es sein, dass meine Tagessätze, Gagen, Honorare so sind wie sie sind, wenn ich weiß, was Männer für die gleiche Arbeit bekommen? Wie kann es sein, dass fast alle Investitionen in Gründungen an Männer gehen? Wie kann es sein, dass der außenpolitische diplomatische Bereich, wie alle Bereiche mit Macht, in den Händen von Männern liegt? Ich wurde von dem Außenministerium als externe Beraterin angefragt. Als ich dort meinen ersten Tag verbracht hatte, kam ein Diplomat in mein Büro und sagte, dass ihm ein anderer mitgeteilt hätte, dass ich seine neue Praktikantin wäre. Ich meine wtf? An genau diesem Tag wurde ich auf die Forbes 30 under 30 Liste gesetzt. Außerdem bin ich Geschäftsführerin meiner eigenen Organisation und dann muss einfach mit Absicht dieses Machtgefälle ausgespielt werden. Die Verteilung von Intelligenz und Fähigkeiten sind bei Frauen und Männern komplett gleich. Immer dann, wenn wir eine Überrepräsentation von Männern haben, bedeutet das nur, dass Männern eine Position gegeben wurden, weil sie Männer sind und nicht, weil sie die Fähigkeiten haben. Das ist zum Nachteil aller geeigneter Frauen.  

Was ist das Beste an Deinem Beruf?  

Dass ich in meiner täglichen Arbeit absolute Erfüllung finde. Ich kann und darf genau das machen, was ich auch machen würde, wenn man mich nicht dafür bezahlt würde. Ich glaube das größte Geschenk ist, dass ich so viele Stunden - mehr als die Hälfte des Tage - damit verbringen darf, was mir so richtig am Herzen liegt.   

Auf welche Frage hattest Du in letzter Zeit keine Antwort und hast Du sie finden können?  

Was ich tun würde, wenn ich x-Millionen Euro zur Verfügung hätte. Vermutlich würde ich mir damit erstmal einen Planungsstab mit den schlausten und feministischsten Intellektuellen zusammensuche. Die würden dann den Plan ausarbeiten, wie wir die Gelder investieren, um maximale gesellschaftliche Veränderungen in allen Bereichen hinzubekommen - von Klimakatastrophe über Einkommens- und Vermögensverteilung, zu Gesundheitsversorgungskrise, zu Unterdrückungsmechanismen von Rassismus, Sexismus, Transphobie und, und, und. Es gibt so viele Dinge in unserer Gesellschaft, die einfach völlig im Argen liegen und nicht annähernd tolerabel sind. Also würde man mir eine gewisse Summe X geben, könnte ich es nicht sofort sagen, sondern würde erstmal einen tollen, feministischen Planungsstab suchen.  

Wenn Du drei Frauen Deiner Wahl zum Essen einladen könntest, welche wären das? 

Uuuuh. Eine Alexandria Ocasio-Cortez (US-Abgeordnete) wäre wahrscheinlich dabei und vielleicht eine Leymah Gbowee (Friedensnobelpreisträgerin, liberianische Friedensaktivistin). Ich würde auch total gerne eine Kamala Harris (US- Vizepräsidentin) und noch soooo viele mehr treffen. Die Wahl fiele schwer.  

Social Media - Fluch oder Segen?  

Für mich persönlich großer Segen, weil ich selbst bestimme, wie ich es nutze und was ich nicht zulasse. Ich lasse keine toxischen Accounts und toxische Menschen in meine Sphäre. Gesellschaftlich ist es wahrscheinlich ausgewogen. Es ist genauso viel Fluch, wie Segen. Am Ende ist es ja wie ein Werkzeug: eine Schere, mit der eine Friseurin eine schöne Frisur hinzaubert und jemand anderes sich irgendwie erstechen kann.  

Was hast Du für Dich aus der Zeit der Corona-Pandemie mitgenommen?  

Erneut wie sehr diese Gesellschaftsform, in der wir leben, in Krisen noch mehr angespannt und zugespitzt wird. In der Millionen von Menschen weltweit noch mehr in die Armut rutschen und so und so viele Frauen aus dem Arbeitsmarkt verschwinden, weil sie die Care-Arbeit übernehmen müssen. Es gibt so viel mehr Menschen, die jetzt weltweit an Hunger sterben, weil die Versorgung nicht sichergestellt werden kann. Fast alle Entwicklungsländer werden, im Gegensatz zu den reichen Ländern, erstmal keine Impfstoffe bekommen. Also ich nehme daraus mit, wie scheiße die Machtgefälle international funktionieren und wie es sich nochmal zuspitzt, wenn solche Krisen kommen. 

Inwiefern unterstützen Heels Dein Wohlbefinden und Selbstbewusstsein?  

Sie geben mir einen aufrechteren und selbstbewussteren Gang. Sowas ist ja auch durch Forschung nachgewiesen, dass die Art wie wir uns halten auch eine Auswirkung darauf hat, wie wir uns fühlen.  

 

Arsenic, azur

Du möchtest Heels tragen, die Dein Selbstbewusstsein und Wohlbefinden unterstützen, ohne zu schmerzen? Kristina hat sich für die Arsenic in Azurblau entschieden. Für welche Farbe entscheidest Du Dich? Finde hier Deine neuen Lieblinge. 

In welchen Situationen greifst Du zu High Heels?  

Bei Auftritten auf der Bühne, aber auch wenn man sie nicht sieht und ich einen extra „Confidence-Boost“ brauche. Zum Beispiel bei einem Fernsehinterview, bei dem unterhalb der Taille abgeschnitten ist ich aber trotzdem weiß, ich will mich größer und selbstbewusster fühlen.  

Welchen Ratschlag würdest Du Deinem 20-jährigen Ich geben?  

Dass ich mich schon viel früher mit feministischer Literatur auseinanderzusetzen sollte. Das war für mich der Schlüssel dafür, Abstand von bestimmen Mustern, wie „Ich möchte anderen gefallen.“ und „Ich höre auf die ganzen Neinsager in unserer Gesellschaft.“ zu nehmen. Umso früher du lernst und anerkennst, wie unsere Gesellschaft Frauen, die Ideen von Frauen, Gründungen von Frauen, das Zitieren von Frauen, den Rechten von Frauen und Frauen, die einfach Raum einnehmen, verhindert, umso selbstbewusster und gestalterischer kann man das im eigenen Leben hinbekommen. 

Feminismus und Female Empowerment sind nicht nur keine Fremdworte für Kristina. Nein, sie hat es sich zur Aufgabe gemacht für eine Welt zu kämpfen, in der jeder Mensch - gegeben seiner "Potenziale, Wünsche und Bedürfnisse - die Möglichkeit hat, sich maximal zu entfalten." Dankeschön!

PS:  Einen kleinen Buch-Tipp gab es noch oben drauf 😊  

WHY WE MATTER: Das Ende der Unterdrückung von Emilia Roig 

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